2016 ist um – wie geht es hier weiter?

Meinen Lesern ist es bestimmt aufgefallen, dass es nach einem flotten Start mit vielen Artikeln ab April sehr „ruhig“ im Blog wurde. Leider konnte ich in diesem Jahr, krankheitsbedingt, überhaupt nicht das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte. Weder konnte ich meinen neuen Bienenstand in Betrieb nehmen, noch alle Umbauten vornehmen, die ich geplant hatte. Ein paar Sachen haben aber geklappt. Nach einer erfolgreichen Überwinterung aller meiner Völker, konnte ich meine Völkeranzahl etwas (leider nicht so wie geplant) erhöhen und im Mai und Juli das erste Mal Honig ernten.

Da ich noch nicht soweit war und nur von drei Völkern geerntet habe, wurde mein Honig nur im Freundes- & Familienkreis verteilt und natürlich selbst gegessen. Auch habe ich das erste Mal Ableger gebildet und mir dort Königinnen selbst nachgezogen.

Was ist nun für 2017 geplant? 

Ich möchte die naturnahe Bienenhaltung weiter ausbauen. Nach dem Skandal um verseuchte Mittelwände im Sommer diesen Jahres habe ich entschieden in der kommenden Saison zwei entscheidene Änderungen einzuführen: 1. ich setze in den vorhandenen Beuten auf 100% Naturbau, werde 2. meine Imkerei 2017 nur um Warre-Beuten erweiteren und 3) Erfahrungen mit der ursprünglich in Deutschland heimischen Dunklen Biene sammeln.

zu 1) 100% Naturbau – keine gekauften Mittelwände

Normalerweise geben Imker ihren Bienen Rähmchen mit eingelöteten Mittelwänden. Die Bienen müssen dann das Wachs nicht mehr selbst produzieren, sondern ziehen nur noch die vorgeprägten Strukturen aus und können so sehr schnell brüten oder Honig einlagern. Der Imker kann damit auch bestimmen, wie groß der Anteil an Drohnenbrut ist. Dies ist seit gut 100 Jahren üblich. Leider kann ich aber nicht kontrollieren, ob das Wachs in den gekauften Mittelwänden frei von Verunreinigungen wie Pestiziden, Arzneimitteln oder anderen chem. Substanzen ist. Nach dem erwähnten Skandal werde ich keine Mittelwände mehr kaufen. Ich gebe den Bienen einen kleinen Streifen selbst gewonnenes Wachs, der auf die Oberträger der Rähmchen getropft wird und lasse sie selbst bauen … damit kommt ganz sicher keine Chemie und keine Verunreinigung in die Beute. Zusätzlich ist es naturnaher und bienengerechter, die Bienen einfach so bauen zu lassen, wie sie es für richtig halten. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Kommunikation der Bienen durch die dünneren Wände der Naturwaben besser ist, die Bienen krankheitsresistenter sind und die Harmonie im Volk größer ist. Der Verzicht auf ein paar Kilogramm Honig ist mir dies wert.

zu 2) Warre-Beuten

2016-10-10-13-09-15Warre-Beuten sind Beuten für eine naturnahe extensive Bienenhaltung. Die Bienen können dort ganz ohne Rähmchen, fast wie in einer natürlichen Baumhöhle ihre Naturwaben errichten. Um es mir und den Bienen etwas einfacher zu machen, erhalten hier die Leisten auch nur einen kleinen Leitstreifen aus selbst gewonnenem Wachs. Die Waben können in diesen Beuten nicht mehr so einfach gezogen werden und die Bienen werden in Ruhe gelassen … weniger Störungen = weniger Streß = harmonischere Bienen. Mehr Infos zu Warre-Beuten finden sich hier: warre-bienenhaltung.de

Mein Plan ist es, neue Völker erst einmal in Warre-Beuten einzuquartieren und mir diese Betriebsweise genau anzuschauen. Dies bedeutet auch, dass ich vermehrt Presshonig gewinnen werde, da die Waben aus der Warrebeute vermutlich nicht oder nur schlecht geschleudert werden können.

zu 3) Erfahrungen mit der „Dunklen Biene“

Als ich anfing mich mit der Imkerei zu beschäftigen bin ich schnell über die verschiedenen Bienenrassen und deren teils fanatische Anhänger informiert worden. Statt der in Deutschland einheimischen Dunklen Biene, der Apis mellifera mellifera, wird in Deutschland hauptsächlich mit der Apis mellifera carnica geimkert. Dann finden sich noch einige Imker, die mit der s.g. „Buckfast“ imkern, einer insbesondere auf Ertrag gezüchteten „Mischbiene“. Aber zum Hintergrund: Seit etwa 1850 vermehrt Bienen aus anderen Teilen dieser Welt eingeführt und in Deutschland ausprobiert. Dabei wurde deutlich, dass die, züchterisch schon damals stark bearbeitete, Carnica deutlich mehr Honig liefert, weniger schwärmt und friedlicher ist, als die züchterisch nicht bearbeitete Landbiene. Auch Bienen aus anderen Ecken dieser Erde wurden getestet, wie bspw. die Linguistica, eine aus Italien stammende Biene, die im Rest der Welt sehr viel gezüchtet wird … in Deutschland jedoch, vermutlich aus den engen Beziehungen zu unseren Nachbarn in Österreich, wurde vermehrt die Carnica gezüchtet. In den 1930iger Jahren gab es dann ein zentrales Zuchtprogramm der „Reichsfachgruppe Imker“ mit dem Ziel die einheimische Landbiene zu verdrängen. Dieses Ziel war seit etwa den 1950iger Jahren erreicht, als immer mehr Imker auf die Bienenrasse mit den besseren Ertragsaussichten gewechselt war. Nur in wenigen Gebieten gab es noch die ursprüngliche Landrasse. Heute ist die „Dunkle Deutsche Biene“ und auch die „Heidebiene“ in Deutschland ausgestorben, letzte reine Populationen finden sich in Norwegen, Schweden, Irland und Frankreich. In Österreich mit der „Braunelle“ und der Schweiz mit der „Nigra“ gibt es Programme, die versuchen die bestehenden minimalen, aber z.T. stark hybridisierten Populationen zu erhalten und wieder „rein zu bekommen“ … in Deutschland sieht es bisher eher mau aus. Obwohl die Dunkle Bienen seit Langem auf der Liste bedrohter Tierarten steht, gibt es keine größeren Projekte die den Erhalt und die Wiedereinführung der Dunklen Biene fördern. Dies geschieht in kleinen Zuchtgemeinschaften, Interessengruppen und vor allem durch das Engagement einzelner Personen, die sich dem Erhalt dieser unserer ursprünglichen Biene widmen.

Ich möchte im kommenden Jahr erste Erfahrungen mit der Dunklen Biene sammeln und werde deshalb 1-2 F1-Königinnen, also Nachzuchten von Reinzuchtköniginnen, testen. Sollte sich die Biene genauso gut oder besser als meine „Carnica/Buckfast-Promenadenmischung“ für meine geplante extensive Bienenhaltung eignen, möchte ich vermehrt Dunkle Bienen erwerben und nachziehen… dies ist dann aber schon wieder Thema für spätere Jahre.  Wer mehr über die Dunkle Biene erfahren möchte, sollte mal bei nordbiene.de vorbei schauen. Die Schweizer haben sich hier organisiert: mellifera.ch – Die Österreichischen Kollegen findet ihr hier: dunkle-biene.at

Das waren im Groben meine Pläne für 2017. Ich hoffe, dass meine Gesundheit mitspielt … nun hoffe ich, dass es kalt bleibt und ich meine Bienen der Winterbehandlung gegen die Varroa unterziehen kann und des weiteren, dass alle Völker gesund und stark über den Winter kommen …

Bienen-Fotos

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