Bienenhonig kaufen

Honig kauft man beim Imker! Natürlich gibt es auch im Supermarkt gute Honige, wenn man aber genau hinschaut, erkennt man, dass es oft Honige aus anderen Ländern sind. Auf den Verpackungen findet sich dann der Hinweis „Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern.

Auch die Imker in Südamerika, Afrika oder Asien können imkern und sicherlich auch gute Honige abfüllen, im Supermarkt erhalten Sie aber nicht den Honig eines ganz speziellen Imkers, sondern oftmals Mischungen von Großhändlern, die immer die gleiche Konsistenz und den gleichen Geschmack haben sollen.

Was ist schlecht an Honig von Großhändlern?

Die Bienen in Osteuropa, Asien oder Südamerika erzeugen genau so leckern und gesunden Honig wie unsere einheimischen Bienen, allerdings sind im Großhändler-Honig die verschiedensten Honige gemischt und verarbeitet. Der Honig wird über tausende Kilometer nach Deutschland geflogen und bei Verarbeitern erhitzt, vermischt und abgefüllt.

Kann Honig der tausende Kilometer transportiert wurde – ökologisch sein?

Wie bei allen Lebensmittel muss man sich fragen, ob es ökologisch vertretbar ist, Lebensmittel per Flugzeug oder Schiff unter Ausstoß riesiger Mengen an Abgasen nach Deutschland zu transportieren. Bei Obstsorten oder Rohstoffen die es hier nicht gibt, wie bspw. Apfelsinen, Kakao oder Kaffee, kann ich dies noch nachvollziehen. Wenn aber lokal in der gleichen oder besseren Qualität erhältliche Produkte eingekauft werden können, macht es für mich keinen Sinn, diese aus fernen Ländern zu beziehen. So wie ich lieber heimische Äpfel und heimisches Gemüse esse, bevorzuge ich auch Honig aus meiner Gegend – oder zumindest aus meiner Nähe.

Das Glas Honig, dass Sie beim Imker nebenan, im Nachbardorf oder im Urlaub direkt beim Imker an der Haustür kaufen hat kaum CO2 in die Umwelt geblasen und wahrscheinlich eine optimale Ökobilanz. Selbst regionale Honige die Sie auf dem Markt oder im Supermarkt finden haben nur wenige Kilometer auf dem Buckel.

Wie lange wurde der Honig gelagert, verarbeitet und unter welchen Bedingungen?

Wenn Sie den Honig im Supermarkt in der Hand halten, sehen sie nur das Mindesthaltbarkeitsdatum – wie alt der Honig wirklich ist, aus welcher Schleuderung er stammt, dass können Sie meistens nicht erfahren. Es könnte also sein, dass Honige verarbeitet und untergemischt werden, die schon ziemlich als sind. Mit der Zeit verliert der Honig seine positiven Wirkungen – insbesondere, wenn er nicht dunkel und gleichmäßig kühl gelagert wurde. Beim Imker können Sie dies erfragen und im besten Fall direkt anschauen – fragen Sie einfach nach.

Der Imker schleudert, siebt und rührt den Honig – wie dies erfolgt habe ich im Artikel Honig beschrieben – dann füllt er ihn ab. Gemäß der Honigverordnung darf der Honig nicht erwärmt, dem Honig nichts entnommen und nicht hinzugefügt werden. Sie erhalten vom Imker also meistens einen guten Honig in dem sich auch kleine Mengen an Pollen befinden … gerade für Allergiker ist dies wichtig, denn so kann Honig bei der Desensibilisierung helfen. Oft werden Honige für den Supermarkt aber so fein gefiltert, dass kein Pollen mehr enthalten ist, Honige werden erhitzt um sie leichter abzufüllen und eine einheitliche Konsistenz zu erhalten etc. … wohlgemerkt, nicht alle aber viele Honige – vor allem aber können Sie es nicht kontrollieren.

Sie sehen nicht, wie alt der Honig ist, wie er gelagert wurde, wie er verarbeitet wurde, ob er gefiltert wurde … der Imker in Ihrer Nachbarschaft kann Ihnen dies alles erläutern und vielleicht sogar zeigen. Gerade mittelgroße Imkereien, Imkervereine aber auch die wenigen Berufsimker haben oft „Tage der offenen Tür“, Hoffeste oder anderweitige Termine an denen sie die Nachbarschaft einladen, sich die Imkereien anzuschauen.

Honig ist immer wieder anders

Als ich Honig für mich (wieder-)entdeckt habe, war ich erstaunt über die Geschmacksvielfalt der Honige. Da gab es süße, scharfe, leicht bittere, kräftige, aromatische, fruchtige, ganz feine Honige, Honige die fast nach Medizin schmecken und andere die fast nur süß sind. Ich war erstaunt über die vielen Farben von ganz dunklem Buchweizen- oder Kastanienhonig, leicht grünem Lindenhonig, gelblich klarem Robinienhonig … elfenbein-schimmernden Rapshonig, sonnengelb bis rötlichgelb leuchtendem Sommerhonig … ich probierte die unterschiedlichen Konsistenzen von ganz flüssigem Robinienhonig, über sirupartige Sommerhonige, fast schon gallertartigen Heidhonig über cremige und feinsteife Frühtrachthonige aus.

Honig ist immer wieder anders – in der Konsistenz, in der Farbe und vor allem auch im Geschmack. Kein Vergleich mit dem „Einheitshonig“ der immer wieder gleich schmeckt, immer in der gleichen Farbe und mit dem gleichen Geschmack aus dem Glas oder der Flasche kommt. Honig vom Imker ist immer wieder anders, immer wieder überraschend … eben ein Natur- und kein Industrieprodukt.

Wie wurden die Bienen behandelt – die ethisch-moralische Seite von Honig

Genau wie bei anderen Lebensmitteln müssen wir uns fragen und fragen lassen, wie sie gewonnen werden und ob wir dies ethisch und moralisch akzeptieren können. Viele Menschen sind mit der Massentierhaltung nicht einverstanden und verzichten auf Fleisch und Wurst aus der Supermarkttheke.

Ähnlich ist es beim Honig

Vielleicht hat der eine oder andere von Ihnen vom Buch oder dem Film „More than Honey“ gehört oder ihn sogar gesehen. Für manche Großimker in den USA, Südamerika oder Australien sind Bienen nur ein Riesengeschäft. Da werden tausende Völker auf Trucks quer durchs Land gefahren, um bestimmte Pflanzen zu bestäuben – es geht nicht um den Honig – der ist nur Nebenprodukt. es geht um die Bestäubungsprämien … wie viele Völker „verbrausen“ und kaputt gehen, ist egal. Ob die Pflanzen gespritzt werden ist egal – ob die Bienen an den Pestiziden kaputt gehen ist egal … Haben die Bienen ihren Dienst getan, dürfen Sie z.T. nicht mal mehr überwintern … es gibt Beispiele, wo die Beuten auf der Autobahn so geöffnet wurden, dass die Bienen vom Fahrtwind aus den Beuten geweht werden, ein paar Kilometer später sind die Beuten größtenteils leer. Der Honig wird geschleudert, landet beim Großhändler und vielleicht in ihrem Honigglas …

Auch anderswo gibt es Großimker mit abertausenden von Bienenvölkern. Um diese effektiv zu bewirtschaften bedarf es der Ausbeutung der Arbeiter, die für Hungerlöhne tätig werden und auch einer möglichst effizienten, zeitsparenden und kostengünstigen Art zu imkern. Das heißt oft auch den Einsatz von Medikamenten und Stoffen zu Schädlings- und Krankheitsbekämpfung die in Deutschland nicht zulässig sind und deren Rückstände ggf. im Honig landen. Selbst verbotene Antibiotika hat Stiftung Warentest schon in Honigen gefunden (Siehe:Honig: Kein reiner Genuss von 2004) – obwohl dies in den letzten Jahren besser geworden ist (Test von 2009).

Beekeeping als Chance in Entwicklungsländern

Neben den Auswüchsen, wie sie in „More than Honey“ dargestellt werden, ist die Bienenhaltung auch eine Chance für ärmere Menschen in Entwicklungsländern. Es gibt viele Projekte bspw. in Südafrika und Kenia, bei denen versucht wird regional eine Bienenzucht zu etablieren, Investitionen gemeinsam zu tätigen und den gewonnenen Honig in Kooperativen auch gemeinsam zu vermarkten. Die Projekte die ich kenne, schaffen es nicht ins Supermarktregal. Fair gehandelten Honig findet man vereinzelt in Bioläden, meist sind diese Initiativen jedoch nur regional aktiv, auf das teure Verschicken der Produkte wird verzichtet.

Fazit: Macht euch schlau woher der Honig stammt, den ihr kauft! Steht auf der Verpackung im Supermarkt „Honig aus EU- und NICHT-EU-Ländern“ ohne genauere Angabe der Herkunft, lasse ich lieber die Finger davon. Die Chance Faulbrutsporen und/oder Rückstände von Pestiziden oder – in Deutschland nicht zugelassenen –  Medikamenten mit zu verspeisen ist sehr, sehr hoch, die Öko-Bilanz ist gräuselig (selbst wenn „BIO“ draufsteht) und ich mache es lokalen Imkern damit sehr viel schwerer angemessene Preise für ihren Honig zu erhalten.

Die spannendsten und interessantesten Honige habe ich von anderen Imkern, kleinen Hobbyimkern mit 2-3 Völkern aber auch großen Berufsimkereien, gekauft und dabei interessante Menschen und die unterschiedlichsten Philosophien der Bienenhaltung kennen gelernt.

Bezugsquellen von Honig – Wo Honig kaufen

Natürlich kann man Honig auch bei mir kaufen, dafür ist diese Seite ja auch gedacht, weitere Bezugsquellen von Honig sind aber auch die Imker um euch herum: Macht beim Bäcker, Fleischer,  regionalen Gemüsehändler,  bei den Hofläden und Märkten eurer Gegend die Augen auf. Oft stehen die Honiggläser unscheinbar irgendwo am Rand und man muss danach fragen … fragt in euren Bioläden, Supermärkten und Geschäften nach regionalen Produkten und ob und wo es Honig aus der Region zu kaufen gibt.

Auch das Internet bietet verschiedene Seiten, auf denen man Honig direkt vom Imker beziehen kann. Auf der Webseite nearbees.de kann man z.B. Honige von Hobbyimkern bestellen und bekommt sie in praktischer Verpackung nach Hause geliefert. Hier kann man ganz gezielt nach Honigen aus bestimmten Regionen suchen. Auch unsere Partnerseite imkerhonig.org oder die Webseite Heimathonig.de listen Imker in den verschiedenen Regionen und bieten verschiedene Kontakt- & Bezugsmöglichkeiten an. Und dann sind da noch die privaten Anzeigen von (Hobby-)Imkern auf ebay, ebay-kleinanzeigen, in den (online erreichbaren) Regionalzeitungen usw. … es gibt also vielerlei Möglichkeiten regionale Honige zu kaufen.

Worauf beim Honigkauf achten?

Honig ist ein Naturprodukt und immer wieder anders, daher ist es schwer allgemein gültige Aussagen zu treffen.

Vorsicht bei Phasentrennung im Honig

Die größte Gefahr besteht in einem zu hohen Wassergehalt des Honigs, der zu Gärung führt. Honig der richtig in Gärung ist, erkennt man an aufsteigenden Bläschen und dem typischen Geruch von Hefe und Alkohol entgegen. Honige die gerade anfangen zu gären, haben noch einen fruchtigen Geruch … Ausgelöst wird die Gärung durch Hefen, die sich überall in der Luft befinden und so – ganz automatisch – auch im Honig landen. Enthält der nun zu viel Wasser, kommt es , als Vorstufe, erst zu einer Phasentrennung – d.h. es setzt sich im Glas eine flüssige Schicht oberhalb einer festeren  ab – und später in der flüssigen Schicht zur Gärung.

Wenn Sie den Honig umgehend verbrauchen oder nur zum Backen verwenden wollen, kann man ihn evt. kaufen … ansonsten sollten Honige in der bereits eine Phasentrennung erkennbar ist nicht gekauft werden.

Hinweis: Sieht man „Zuckerblumen“ – also ausblühenden Zucker, als weiße Schicht im Glas, ist dies ein Zeichen für Qualität und Naturbelassenheit, denn es ist ein Hinweis darauf, dass der Honig direkt abgefüllt und nicht erst in anderen Gebinden gelagert und vor der Abfüllung  „aufgetaut“ (bis 40 Grad erwärmt) wurde. Dies ist jedoch ein gängiges Verfahren der Großhändler, um ein Ausblühen des Zuckers zu verhinden und die Honige – auf Kosten der Qualität – optisch besser aussehen zu.lassen.

MHD vs. Schleudertermin

Wichtig für mich ist der Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum, Schleuderdatum und Erntedatum … wenn ihr Honig kauft, steht da ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Honig ist nahezu unbegrenzt haltbar, üblich sind aber Angaben von zwei Jahren ab Abfülltag. Der Tag der Abfüllung ist jedoch selten der Tag an dem der Honig aus den Waben geschleudert wurde und noch seltener auch der Tag an dem der Honig dem Bienenvolk entnommen wurde. Honig vom Großhändler im Supermarkt kann durchaus mehrere Jahre alt sein, auch wenn das MHD noch fast zwei Jahre in der Ferne liegt. Da Honig im Laufe der Zeit und zusätzlich durch zu warme und helle Lagerung (wie bspw. im Supermarktregal) an Qualität und vor allem seinen wertvollen Inhaltsstoffen verliert, ist es wichtig, ob der Honig in diesem, im letzten Jahr oder vor fünf Jahren geerntet wurde.

Der Imker um die Ecke kann meistens genau sagen, wann er welchen Honig geerntet, geschleudert und abgefüllt hat. Aber auch bei den kleineren Berufsimkern ist es üblich, dass nach Bedarf abgefüllt wird. Das heißt, nach der Ernte wird der Honig in praktischen Gebinden von 10-40kg kühl und dunkel gelagert und je nach Bedarf der Kundschaft frisch abgefüllt. Das hat den Vorteil, dass der Honig fertig auskristallisiert ist, bevor er abgefüllt wird – so erhält er nach der Abfüllung seine Cremig- oder Feinsteifigkeit und wird im Glas nicht so schnell bretthart. Trotzdem kann dieser Imker auf Nachfrage meistens genau sagen, wann geerntet und geschleudert wurde.

Imker mit hunderten Sortenhonigen

Was mich persönlich immer misstrauisch macht sind Hobby- oder Kleinimker, die sehr viele verschiedene Sortenhonige anbieten. Fragt genau nach, woher die Honige stammen! Die meisten Imker die ich hier kenne sind „Standimker“, d.h. sie haben ihre Völker das ganze Jahr an einem Bienenstand stehen. Hier können Sie – mit Glück und handwerklichem Können – ein paar Sortenhonige wie Rapshonig, Akazien- oder Lindenhonig ernten. Ganz genau weiß aber keiner der Imker was in seinen Gläsern ist … aber einen reinen Sonnenblumen-, Goldruten-, Heide-oder Tannenhonig kann ein Standimker aus Berlin ohne Wanderung nicht geerntet haben. Es kann natürlich sein, dass er gewandert ist, wie es die großen Erwerbsimker tun … aber für einen Imker mit 10 Völkern lohnt sich das kaum. Deshalb fragt nach: Wo kommt der Spezialsortenhonig genau her, mit wie vielen Völkern ist er dorthin gewandert etc. …

Es auch möglich, dass Imker Honig dazu kaufen. Das ist bei kleinen Erwerbsimkern auch durchaus üblich – da wird kräftig hin- und hergetauscht. Der Imker aus dem Schwarzwald, tauscht seinen Tannenhonig gegen Rapshonig aus dem Norden und Lindenhonig aus Berlin  … oder aber er kauft – wie auch die Großhändler – am Honigmarkt Spezialhonige auf und füllt sie unter eigenem Label ab. Das ist völlig ok und legitim, aber er soll dann auch genau Auskunft geben woher der Honig stammt und nicht so tun, als hätte er den Orangenhonig und die zwanzig anderen Spezialsortenhonige mit seinen drei Völkern am Stadtrand ernten können. 😉

Da sind mir Imker in meiner Gegend die nur „Früh-“ und „Sommertrachthonig“ und vlt. noch ein wenig Raps-, Akazien- und Lindenhonig im Angebot haben sympatischer, weil ehrlicher. 😉

Habt ihr Fragen?

 

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