Gelée Royale

Gelée Royale – so nennt man den Königinnenfuttersaft, der von den Ammenbienen gefüttert wird. Alle Larven werden in den ersten drei Tagen mit Gelée Royale gefüttert, „normale“ Arbeiterbienen erhalten ab dem dritten Tag als Larve vermehrt einen Futterbrei aus Pollen und Honig, Bienen-Königinnen werden dagegen während ihres gesamten Larvenstatiums und später während ihres gesamten Lebens ausschließlich mit Gelée Royale gefüttert.

Da sich die Eier – der Imker nennt sie wegen ihres Aussehens Stifte – von Arbeiterinnen und Königinnen nicht unterscheiden, sich aus den ausschließlich mit Gelée Royale gefütterten Larven aber Bienenköniginnen entwickeln, gehen viele Menschen von einer besonderen Kraft im Gelée Royale aus. Dass eine Bienenkönigin, die ausschließlich mit Gelée Royale gefüttert wird, bis zu vier Jahre alt wird, während normale Bienen im Sommer nach 30-40 Tagen, im Winter spätestens nach 6-7 Monaten sterben, bestärkt die Menschen in der Annahme, dies sei ein besonderes, gar ein lebensverlängerndes Wundermittel.

Zusammensetzung von Gelée Royale

Dieser „Wundersaft“ besteht zum größten Teil aus Wasser (ca. 60-70%), Zucker (ca. 10–23 %), Proteinen und Aminosäuren (ca. 10–23 %) sowie verschiedenen Fetten (ca. 4–8 %). Enthalten sind ferner Thiamin, Riboflavin, Pyridoxin, Niacin, Pantothensäure, Biotin, Folsäure, Sterine, Biopterin und Neopterin, Mineralstoffe und Spurenelemente, sowie 4-Hydroxybenzoesäuremethylester als natürliches Konservierungsmittel.

Wirkungsweise

Laut verschiedener Webseiten werden Gelée Royale die vielfältigsten Eigenschaften zugeschrieben. So soll bei gesunden Menschen Gelée Royale die Widerstandskraft gegen körperliche und geistige Belastungen erhöhen, den Cholesterolgehalt im Blut positiv beeinflussen und manche Seiten behaupten sogar, Gelée Royale habe die Lebenserwartung der Versuchstiere erhöht und die Heilung von Hautverletzungen beschleunigt. Es gibt weitere Seiten, die eine Antikrebswirkung, starke antibakterielle Aktivitäten, die Regeneration von Körperzellen sowie weitere entzündungshemmende Eigenschaften behaupten.

Dass es bei Gelée Royale auch zu starken allergischen Reaktionen kommen kann, wird leider oft verschwiegen.

Auf den meisten Seiten finden sich auch nur dürftige Nachweise der behaupteten Wirkungen, die einer wissenschaftlichen Überprüfung der Behauptungen kaum stand halten. Viele Schreiber scheinen einfach davon auszugehen: Wenn statt einer Arbeiterin eine Königin aufgezogen wird, die dann auch ein sehr viel längeres Leben hat als die anderen Bienen im Volk und wenn der einzige Unterschied in der Fütterung  liegt, dann muss dieses Futter Wunder wirken …

Gewinnung von Gelée Royale

Gelée Royale in ausreichender Menge kommt nur in den s.g. Weiselzellen – also Zellen, die für die Aufzucht von Königinnen angelegt werden – vor. In diese Zellen lagern Ammenbienen das Gelée Royale ein, so dass die frisch geschlüpfte Larve völlig im Futtersaft schwimmt. Ausgesuchten Zuchtvölkern werden daher bis zu 50 Weiselnäpfchen mit Stiften zugehängt, deren Pflege dann das Bienenvolk übernimmt. Drei Tage benötigt das Ei bis die Larve schlüpft. Vom Schlüpfen der Eier bis zur Verdeckelung der Weiselzellen vergehen ebenfalls fünf Tage. In dieser Zeit müssen die Weiselnäpfchen dem Volk wieder entnommen und das Gelée Royale abgesaugt werden. Die bis dahin dort heranwachsenden Larven werden dabei entnommen und getötet. Da Bienenvölker angebotene Zellen automatisch pflegen, lassen sich so – in hochspezialisierten Imkereinen – bis zu 500gr Gelée Royale pro Bienenvolk ernten.

Ethische Bedenken

Das meiste Gelée Royale auf dem Markt kommt aus China und Südamerika. Hier werden in Großimkereien tausende Bienenvölker gehalten und für die indutrielle Gewinnung von Gelée Royale genutzt. Bei derartigen Dimensionen geht der Respekt vor der Natur, dem Bienenvolk und auch dem einzelnen Lebewesen verloren. Aber auch in kleineren Imkereien, wird bei der Gewinnung von Gelée Royale der Tod der Larven bewusst in Kauf genommen ebenso wie der Stress den die massenhafte Königinnenaufzucht in den Bienenvölkern auslöst.

Mit naturgemässer, ökologischer oder „BIO“-Bienenzucht hat diese Ausbeutung meiner Meinung nach nichts zu tun.

Genügen dürftige Belege zum gesundheitlichen Nutzen von Gelée Royale, um den Großimkern einen Markt zu bieten – ohne Respekt vor den Bienen?

Möglicherweise hilft Gelée Royale bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs und vielleicht kann die Wissenschaft das Wunder irgendwann verstehen und nutzbar machen, bis dahin jedoch ist Gelée Royale ein Luxusprodukt, dass auf Kosten vieler Bienenlarven und der Gesundheit vieler Bienenvölker gewonnen wird.

Wer Gelée Royale einnimmt, sollte sich immer bewusst machen, dass enorme Mengen benötigt werden. Die verschiedenen – schon oben zitierten Webseiten – raten zu durchschnittlich 500mg Gelée Royale täglich, in besonderen Situationen sollen auch bis zu 1000mg täglich eingenommen werden. In jeder Weiselzelle sind etwa 200-400mg Gelée Royale zu „ernten“. Mit einer derartigen „Gelée Royale“-Kur töten sie also 2-3 Bienenlarven pro Tag, 14-21 pro Woche, 56-82 pro Monat der Einnahme …

Fazit

Ich für mich lehne die bewusste Gewinnung von Gelée Royale aus den oben skizzierten Gründen ab. Es hat für mich nichts mehr mit Respekt und Achtung vor der Natur und dem Lebenwesen zu tun, wenn ich die industrielle Abtötung von Massen an Bienenlarven in Kauf nehme, um eine angebliches Naturprodukt zu gewinnen und zu vermarkten.

Weitere Lesetips: 

Interessanter Artikel zur Entwicklung von Honigbienen: Gelee Royal: Was Bienen zu Königinnen macht

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